Englisch lernen gelingt am besten, wenn Sie Ihr aktuelles Niveau kennen, ein klares Ziel haben und sich jeden Tag zumindest kurz mit der Sprache beschäftigen. Für einfache Verständigung (Niveau A2) braucht ein Anfänger rund 200 angeleitete Lernstunden, für selbstständige Sprachverwendung (B2) etwa 500 bis 600 Stunden. Hier finden Sie einen Plan, der für Erwachsene im Selbststudium funktioniert, und Tipps, wie Kinder Englisch lernen.
Sprachniveaus: Wo Sie stehen und wie lange es dauert
Sprachkenntnisse werden in Europa nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER, engl. CEFR) mit sechs Stufen beschrieben. Schulen, Sprachkurse und internationale Prüfungen verwenden dieselbe Skala – ein guter Ausgangspunkt für jeden Lernplan.
| Niveau | Was Sie können | Lernstunden ab null (ca.) |
|---|---|---|
| A1 | sich vorstellen und einfache Alltagssätze verstehen, wenn langsam gesprochen wird | 90–100 |
| A2 | über Familie, Arbeit, Einkaufen und die unmittelbare Umgebung sprechen | 180–200 |
| B1 | sich auf Reisen zurechtfinden, Erlebnisse beschreiben und kurz eine Meinung begründen | 350–400 |
| B2 | sich fließend mit Muttersprachlern unterhalten und anspruchsvolleren Diskussionen folgen | 500–600 |
| C1 | sich im Beruf und im Studium spontan und flexibel ausdrücken | 700–800 |
| C2 | praktisch alles mühelos verstehen und sich sehr präzise ausdrücken | 1.000–1.200 |
Die Stunden zählen ab dem absoluten Anfang. Veröffentlicht werden sie von Cambridge English; dort wird betont, dass es nur Richtwerte sind: Wer schon eine andere Fremdsprache gelernt hat und Englisch auch außerhalb des Unterrichts hört, kommt schneller voran. Da Englisch fast überall präsent ist – in Filmen, Musik und im Internet – starten viele auf einem höheren Niveau, als sie denken.
So prüfen Sie Ihr Niveau
Bevor Sie ein Lehrbuch oder einen Kurs kaufen, machen Sie einen kurzen Online-Test, zum Beispiel den kostenlosen EnglishScore des British Council. Das Ergebnis zeigt, ob Sie Material für Anfänger brauchen oder gleich mit anspruchsvolleren Inhalten starten können.
Englisch selbst lernen: ein Plan in fünf Schritten
Selbststudium kann genauso erfolgreich sein wie ein Kurs, wenn Sie systematisch vorgehen. Der häufigste Fehler ist Planlosigkeit: einen Tag eine App, dann eine Woche nichts. Ein einfacher Plan hilft:
- Setzen Sie ein messbares Ziel. Statt „Ich will Englisch können“ notieren Sie etwa „in sechs Monaten von A2 auf B1“ oder „ein Vorstellungsgespräch auf Englisch“.
- Lernen Sie täglich ein wenig. Zwanzig Minuten am Tag bringen mehr als zwei Stunden am Sonntag, weil sich Wissen durch Wiederholung festigt.
- Wiederholen Sie in Abständen. Schreiben Sie neue Wörter in ganzen Sätzen auf und wiederholen Sie sie nach einem Tag, nach drei Tagen und nach einer Woche. Nach diesem Prinzip arbeiten auch Karteikarten-Apps wie Anki.
- Sprechen Sie jede Woche. Ein Gespräch mit Freunden, ein Sprachtandem oder wenigstens lautes Lesen und eine Aufnahme von sich selbst.
- Messen Sie Ihren Fortschritt. Wiederholen Sie alle drei Monate den Test und passen Sie das Material an.
Englisch lernen durch Hören
Hören ist der einfachste Weg, Englisch in den Alltag einzubauen – beim Autofahren, Spazierengehen oder Kochen. Anfänger wählen Podcasts und Videos für Lernende, in denen langsamer und deutlicher gesprochen wird. Fortgeschrittene steigen auf normale Podcasts, Nachrichten und Serien um. Bei Filmen ist ein guter Zwischenschritt, statt deutscher Untertitel englische einzuschalten: So hören und sehen Sie jedes Wort gleichzeitig.
Sprechen ohne Angst
Viele Erwachsene verstehen mehr, als sie sich zu sagen trauen. Die Angst vor Fehlern überwinden Sie schrittweise: Beschreiben Sie zuerst für sich selbst, was Sie gerade tun („I’m making coffee“), nehmen Sie dann einen kurzen Bericht über Ihren Tag auf und suchen Sie erst danach einen Gesprächspartner. Fehler gehören zum Lernen, und die meisten Gesprächspartner achten mehr auf den Inhalt als auf die Grammatik.
Kostenlos Englisch lernen für Anfänger
Für einen guten Start brauchen Sie kein teures Abo. Zu den hochwertigen Gratisquellen gehören:
- British Council LearnEnglish – eine kostenlose Website für Erwachsene mit Erklärungen und Übungen.
- LearnEnglish Kids und LearnEnglish Teens – Schwesterseiten für Kinder von 5 bis 12 und Jugendliche von 13 bis 17 Jahren.
- Öffentliche Bibliotheken – Bücher und Bilderbücher auf Englisch, auch vereinfachte Lektüren für Lernende.
- Podcasts und Videos für Sprachlernende – kurze Folgen zu Alltagsthemen.
- Apps mit Gratisversion – ideal zum täglichen Vokabeltraining, aber nicht als einzige Quelle.
Gratismaterial hat einen Nachteil: Niemand korrigiert Sie. Kombinieren Sie es deshalb mit echten Gesprächen – mit Bekannten, die gut Englisch sprechen, oder mit gelegentlichen Stunden bei einer Lehrkraft.
Englisch lernen für Kinder
In Slowenien, wo unsere Redaktion sitzt, lernen Kinder ihre erste Fremdsprache – Englisch oder Deutsch – ab der 2. Klasse der Grundschule; der Lehrplan sieht in der 2. und 3. Klasse je 70 Stunden pro Jahr vor. Er betont, dass jüngere Kinder zuerst verstehen und erst dann sprechen: Ein Kind darf eine Zeit lang nur zuhören (die sogenannte stille Phase) und soll nicht zum Sprechen gedrängt werden.

Zu Hause können Sie genauso helfen wie die Schule – spielerisch:
- Lieder und Abzählreime mit Bewegungen,
- Bilderbücher, die Sie gemeinsam lesen und dabei zeigen, wovon die Rede ist,
- kurze Zeichentrickfilme auf Englisch, die Sie zusammen ansehen,
- Rollenspiele, etwa „Kaufladen“ mit den englischen Namen von Obst und Gemüse.
Regelmäßige, entspannte Wiederholung ist wichtiger als lange Einheiten. Wenn Ihr Kind Wörter selbst verwendet, loben Sie den Inhalt und korrigieren Sie nicht jeden Fehler.
Kann man schnell Englisch lernen?
Die Grundlagen auf Niveau A1 erreichen Sie mit intensivem Lernen in wenigen Wochen, denn dafür braucht man rund 100 Stunden. Für fließende Verständigung auf B2 sind dagegen mehrere hundert Stunden realistisch – bei einer Stunde täglich mehr als ein Jahr. Versprechen, Englisch in einem Monat zu beherrschen, sind übertrieben.
Schneller kommen Sie voran, wenn Sie:
- täglich statt gelegentlich lernen,
- die Sprache für Dinge nutzen, die Sie interessieren – Hobbys, Beruf, Reisen,
- möglichst viel sprechen und schreiben, nicht nur lesen,
- vor einer Reise Vokabeln für konkrete Situationen wie Flughafen, Hotel und Restaurant vorbereiten.
Andere Fremdsprachen lernt man nach denselben Prinzipien: Wer das System beim Englischen erprobt hat, kann es leicht auf Italienisch, Spanisch oder Französisch übertragen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, Englisch zu lernen?
Vom absoluten Anfang bis B2 rechnet man mit etwa 500 bis 600 angeleiteten Lernstunden, bis B1 mit 350 bis 400 Stunden. Wie lange es tatsächlich dauert, hängt von Vorkenntnissen, Lernintensität und davon ab, wie viel Englisch Sie außerhalb des Lernens hören und nutzen.
Kann ich Englisch allein lernen?
Ja. Mit einem festen Tagesplan, kostenlosen Materialien und viel Hören erreichen Sie auch im Selbststudium ein solides Niveau. Fürs Sprechen sollten Sie sich aber ab und zu einen Gesprächspartner oder eine Lehrkraft suchen, die Sie korrigiert.
Wo kann ich kostenlos Englisch lernen?
Auf der kostenlosen Website LearnEnglish des British Council für Erwachsene, mit Podcasts und Videos für Sprachlernende, mit englischen Büchern aus der öffentlichen Bibliothek und mit den Gratisversionen von Vokabel-Apps.
Ab welchem Alter sollte ein Kind Englisch lernen?
Kinder können Englisch schon sehr früh über Lieder, Bilderbücher und Spiele kennenlernen, ohne Druck, sofort sprechen zu müssen. An slowenischen Grundschulen beginnt die erste Fremdsprache in der 2. Klasse.
Was bedeutet Niveau B2?
Im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen steht B2 für selbstständige Sprachverwendung: Sie verstehen anspruchsvollere Gespräche und Fachdiskussionen und unterhalten sich fließend mit Muttersprachlern.







