{"id":131,"date":"2026-10-31T15:04:00","date_gmt":"2026-10-31T14:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/atlaswords.com\/?p=131"},"modified":"2026-10-30T19:11:54","modified_gmt":"2026-10-30T18:11:54","slug":"unabhaengigkeit-slowenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/atlaswords.com\/de\/unabhaengigkeit-slowenien\/","title":{"rendered":"Die Unabh\u00e4ngigkeit Sloweniens vom Plebiszit zur Anerkennung"},"content":{"rendered":"<p>Die Unabh\u00e4ngigkeit Sloweniens wurde in weniger als zwei Jahren erreicht: Beim Plebiszit am 23. Dezember 1990 stimmte eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit f\u00fcr einen eigenen Staat, am 25. Juni 1991 verabschiedete das Parlament die Grundlegende Verfassungsurkunde, und nach dem Zehn-Tage-Krieg und einem dreimonatigen Moratorium erkannte die Europ\u00e4ische Gemeinschaft Slowenien am 15. Januar 1992 an. Hier die wichtigsten Schritte, Zahlen und Personen.<\/p>\n<div class=\"pbn-summary\"><strong>Kurz gesagt:<\/strong> Plebiszit (23. 12. 1990, 95 % Ja-Stimmen) \u2192 Verfassungsurkunde und Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung (25.\/26. 6. 1991) \u2192 Zehn-Tage-Krieg (27. 6.\u20137. 7. 1991) \u2192 Brioni-Erkl\u00e4rung und Moratorium \u2192 Tolar und Abzug der letzten JNA-Soldaten (Oktober 1991) \u2192 Verfassung (23. 12. 1991) \u2192 Anerkennung (15. 1. 1992) und UN-Mitgliedschaft (22. 5. 1992).<\/div>\n<h2>Hintergrund: Ende des Kalten Krieges und der \u201eSlowenische Fr\u00fchling\u201c<\/h2>\n<p>Die Unabh\u00e4ngigkeit kam nicht \u00fcber Nacht. Ende der 1980er-Jahre ging der Kalte Krieg zu Ende, die kommunistischen Regime in Osteuropa zerfielen, und Jugoslawien wurde von einer Wirtschaftskrise und immer sch\u00e4rferen Konflikten zwischen den Teilrepubliken ersch\u00fcttert. In Slowenien erschien im Februar 1987 die 57. Ausgabe der Zeitschrift <em>Nova revija<\/em>, die oft als eine der geistigen Grundlagen der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung gilt.<\/p>\n<p>Es folgten die Gr\u00fcndung des Verfassungsausschusses Zbor za ustavo (Februar 1989), die Verlesung der Mai-Deklaration auf dem Kongressplatz in Ljubljana (8. Mai 1989) und Verfassungs\u00e4nderungen, die im September 1989 die f\u00fchrende Rolle des Bundes der Kommunisten abschafften. Bei den ersten Mehrparteienwahlen seit dem Zweiten Weltkrieg siegte am 8. April 1990 das B\u00fcndnis Demos unter Dr. Jo\u017ee Pu\u010dnik; Milan Ku\u010dan wurde zum Pr\u00e4sidenten des Pr\u00e4sidiums der Republik gew\u00e4hlt.<\/p>\n<h2>Das Plebiszit vom 23. Dezember 1990<\/h2>\n<p>Demos stellte die Idee eines Plebiszits im November 1990 vor, am 6. Dezember beschloss das Parlament das Plebiszitgesetz mit 203 Ja-Stimmen und ohne Gegenstimme. Das jugoslawische Staatspr\u00e4sidium erkl\u00e4rte die Abstimmung f\u00fcr verfassungswidrig, sie fand dennoch in rund 4.250 Wahllokalen statt. Parlamentspr\u00e4sident Dr. France Bu\u010dar verk\u00fcndete das Ergebnis offiziell am 26. Dezember.<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Kennzahl<\/th>\n<th>Ergebnis<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Wahlbeteiligung<\/td>\n<td>93,2 % der Stimmberechtigten<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ja-Stimmen<\/td>\n<td>1.289.369 (95 % der Abstimmenden, 88,5 % aller Stimmberechtigten)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nein-Stimmen<\/td>\n<td>57.877 (4 %)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ung\u00fcltige Stimmzettel<\/td>\n<td>12.412 (0,9 %)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Am Abend sprach Pu\u010dnik im Cankarjev dom in Ljubljana den Satz, der zum Symbol des Plebiszits wurde: \u201eJugoslawien gibt es nicht mehr. Jetzt geht es um Slowenien.\u201c Eine ausf\u00fchrliche Darstellung bietet die <a href=\"https:\/\/www.gov.si\/novice\/2020-12-23-23-12-1990-jugoslavije-ni-vec-zdaj-gre-za-slovenijo\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Seite der slowenischen Regierung zum Jahrestag des Plebiszits<\/a> (auf Slowenisch).<\/p>\n<h2>Die Grundlegende Verfassungsurkunde \u00fcber die Selbstst\u00e4ndigkeit<\/h2>\n<p>Das Plebiszit verpflichtete das Parlament, binnen sechs Monaten alle n\u00f6tigen Gesetze zu verabschieden. Das geschah am 25. Juni 1991 mit der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung und der Grundlegenden Verfassungsurkunde \u00fcber die Selbstst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit der Republik Slowenien. Die Urkunde legte fest, dass jugoslawisches Bundesrecht in Slowenien nicht mehr gilt, und \u00fcbertrug die Zust\u00e4ndigkeiten des Bundes auf die Republik. Die feierliche Proklamation folgte am n\u00e4chsten Tag, dem 26. Juni, auf dem Platz der Republik in Ljubljana.<\/p>\n<h2>Der Zehn-Tage-Krieg<\/h2>\n<p>Die Jugoslawische Volksarmee (JNA) versuchte bereits am 26. Juni, die Grenz\u00fcberg\u00e4nge zu besetzen; als offizieller Kriegsbeginn gilt der 27. Juni 1991. Die slowenische Territorialverteidigung und die Polizei blockierten Panzerkolonnen, errichteten Barrikaden und schnitten Versorgungswege ab, stellenweise kam es zu direkten Gefechten.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Dauer:<\/strong> 27. Juni bis 7. Juli 1991, mit mehr als 70 gr\u00f6\u00dferen und kleineren Gefechten.<\/li>\n<li><strong>Opfer:<\/strong> auf slowenischer Seite 19 Tote und 182 Verwundete, auf Seiten der JNA 45 Tote und 146 Verwundete; zudem starben 12 ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rige.<\/li>\n<li><strong>Gefangene:<\/strong> Slowenische Kr\u00e4fte nahmen 4.693 JNA-Angeh\u00f6rige und 252 Bundespolizisten gefangen.<\/li>\n<li><strong>Wichtige Schaupl\u00e4tze:<\/strong> Flughafen Brnik, Trebnje, Vrhpolje, Diva\u010da und zahlreiche Grenz\u00fcberg\u00e4nge.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Von Brioni zur internationalen Anerkennung<\/h2>\n<p>Am 7. Juli 1991 beendete die unter Vermittlung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft ausgehandelte Brioni-Erkl\u00e4rung den Krieg. Slowenien setzte die Umsetzung seiner Unabh\u00e4ngigkeitsbeschl\u00fcsse f\u00fcr drei Monate aus und erhielt daf\u00fcr einen Waffenstillstand und den R\u00fcckzug der Armee in die Kasernen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>8. Oktober 1991:<\/strong> Das Moratorium endet, Slowenien f\u00fchrt den Tolar und einen eigenen Zolldienst ein.<\/li>\n<li><strong>25.\/26. Oktober 1991:<\/strong> Die letzten JNA-Soldaten verlassen Slowenien \u00fcber den Hafen Koper.<\/li>\n<li><strong>23. Dezember 1991:<\/strong> Das Parlament verabschiedet die neue Verfassung der Republik Slowenien.<\/li>\n<li><strong>15. Januar 1992:<\/strong> Die Staaten der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft erkennen Slowenien an (Deutschland hatte die Anerkennung bereits am 19. Dezember 1991 angek\u00fcndigt).<\/li>\n<li><strong>22. Mai 1992:<\/strong> Slowenien wird Mitglied der Vereinten Nationen.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Die Pr\u00e4sidenten Sloweniens seit der Unabh\u00e4ngigkeit<\/h2>\n<p>Die Verfassung vom Dezember 1991 schuf das Amt des Staatspr\u00e4sidenten, der direkt f\u00fcr f\u00fcnf Jahre gew\u00e4hlt wird. Bisher hatten es inne:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Milan Ku\u010dan<\/strong> (1992\u20132002), zuvor Pr\u00e4sident des Pr\u00e4sidiums w\u00e4hrend der Unabh\u00e4ngigkeit;<\/li>\n<li><strong>Janez Drnov\u0161ek<\/strong> (2002\u20132007), zuvor langj\u00e4hriger Ministerpr\u00e4sident;<\/li>\n<li><strong>Danilo T\u00fcrk<\/strong> (2007\u20132012);<\/li>\n<li><strong>Borut Pahor<\/strong> (2012\u20132022);<\/li>\n<li><strong>Nata\u0161a Pirc Musar<\/strong> (seit Dezember 2022), die erste Pr\u00e4sidentin des Landes.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wie Slowenien heute an die Unabh\u00e4ngigkeit erinnert<\/h2>\n<p>Drei Daten stehen f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit: Der 25. Juni ist der Tag der Staatlichkeit, der 26. Dezember der Tag der Unabh\u00e4ngigkeit und Einheit (Jahrestag der Verk\u00fcndung des Plebiszitergebnisses) und der 25. Oktober der Tag der Souver\u00e4nit\u00e4t, der an den Abzug des letzten JNA-Soldaten erinnert. Wer sich vor Ort mit dieser Zeit besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, besucht den Platz der Republik in Ljubljana, das Denkmal f\u00fcr die Gefallenen auf dem Friedhof \u017dale sowie Grenz\u00fcberg\u00e4nge und Gefechtsorte mit ihren Gedenkst\u00e4tten.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufige Fragen<\/h2>\n<h3>Wann wurde Slowenien unabh\u00e4ngig?<\/h3>\n<p>Das Parlament erkl\u00e4rte die Unabh\u00e4ngigkeit am 25. Juni 1991, die feierliche Proklamation folgte am 26. Juni. Die Europ\u00e4ische Gemeinschaft erkannte Slowenien am 15. Januar 1992 an.<\/p>\n<h3>Wie viele Menschen stimmten beim Plebiszit f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit?<\/h3>\n<p>1.289.369 Menschen stimmten f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Slowenien \u2013 95 % der Abstimmenden bzw. 88,5 % aller Stimmberechtigten, bei einer Beteiligung von 93,2 %.<\/p>\n<h3>Was ist die Grundlegende Verfassungsurkunde?<\/h3>\n<p>Die am 25. Juni 1991 verabschiedete Grundlegende Verfassungsurkunde \u00fcber die Selbstst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit der Republik Slowenien ist der Rechtsakt, mit dem Slowenien die Zust\u00e4ndigkeiten des jugoslawischen Bundes \u00fcbernahm und ein eigener Staat wurde.<\/p>\n<h3>Wie lange dauerte der Krieg in Slowenien?<\/h3>\n<p>Der Zehn-Tage-Krieg dauerte vom 27. Juni bis zum 7. Juli 1991, als die Brioni-Erkl\u00e4rung unterzeichnet wurde. Auf slowenischer Seite starben 19 Menschen.<\/p>\n<h3>Wer war der erste Pr\u00e4sident des unabh\u00e4ngigen Sloweniens?<\/h3>\n<p>Erster Staatspr\u00e4sident war Milan Ku\u010dan, im Amt von 1992 bis 2002; w\u00e4hrend der Unabh\u00e4ngigkeit war er Pr\u00e4sident des Pr\u00e4sidiums.<\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Wann wurde Slowenien unabh\u00e4ngig?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Das Parlament erkl\u00e4rte die Unabh\u00e4ngigkeit am 25. Juni 1991, die feierliche Proklamation folgte am 26. Juni. Die Europ\u00e4ische Gemeinschaft erkannte Slowenien am 15. 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